winkel oben



Bild: suissetec

 
 

Jede Sanierung ist ein Einzelfall

Steigende Energiepreise, zu hohe Abgaswerte, zu enge Räume, bröckelnde Fassaden: Gründe für eine Gebäudesanierung gibt es viele. Wie die beiden folgenden Beispiele zeigen, ist die Sanierungsstrategie individuell abzuklären.

 

Es fällt erst auf den zweiten Blick auf, das Haus an der Juststrasse 60 in Meilen. Mit Giebeldach, zurückhaltender Architektur und gedecktem Parkplatz im Vorgarten fügt es sich unauffällig ein ins Einfamilienhausquartier am Südhang des Pfannenstils. Erst wer genauer hinschaut, erkennt interessante Details. So hat das Haus zwei unterschiedliche Gesichter. An der Süd- und Ostseite leuchtet weisser Verputz, Nord- und Westseite sind in Lärchenholzplanken gefasst. Das Dach ist mit Ziegeln bedeckt, der Balkon an der Südseite eine vorgestellte Metallkonstruktion.

Baujahr 1936 oder 2007? „Beides", sagt Hausbesitzerin Ursula Sonderegger. „Ich hatte ein Haus aus dem Jahre 1936 und wollte eines, das den Bedürfnissen im Jahr 2007 gerecht wird." Für sie waren das vor allem mehr Platz und mehr Licht. „Das Haus deshalb einfach abzureissen, schien mir falsch. So entschied ich mich für eine Renovation."

Für Sonderegger war klar, dass mit der Sanierung der Innenräume die Gelegenheit gekommen war, ihr Haus auch energetisch fit für die Zukunft zu machen. Bei ständig steigenden Energiekosten und drohender Klimaerwärmung sei ein 70-jähriges Haus ohne Wärmedämmung „eine Kostenfalle und nicht mehr zeitgemäss". Sie beauftragte das Architekturbüro Piceci Architekten aus Rapperswil mit der Rundum-Erneuerung ihres Hauses.

 

Sanierungen genau planen

„Jede Veränderung eines Bauteils hat Auswirkungen auf das gesamte Haus", sagt Architekt Deister von Piceci Architekten. Dies müsse beim Sanieren beachtet werden. Ein Beispiel dazu: Durch verbesserte Wärmedämmung spart man Energie; die Heizung muss nach einer energetischen Sanierung also weniger leisten. Bleibt man bei der alten Heizung, ist diese nach der Dämmung überdimensioniert. Wählt man eine neue Heizung, kann man sich für eine kleinere mit weniger Leistung entscheiden. Die Wahl des Heizkessels hängt also vom Mass der Wärmedämmung ab. Es ist deshalb meist sinnvoll, den Ersatz von Heizung oder Heizkessel mit einer Fassadenrenovation und einer Wärmedämmung zu kombinieren.

Dies wurde im Einfamilienhaus Sonderegger vorbildlich gemacht: Neben der optischen Aufwertung stand bei der Wahl der Fassade vor allem deren Funktion als Wärmedämmung im Vordergrund. 16 Zentimeter dicke Mineralstoff-Matten dämmen jetzt die Aussenfassade und die Decke zum Estrich. Der Kellerboden ist mit hochisolierenden Dämmplatten belegt.

Ein weiterer Schlüsselpunkt beim Energiesparen sind die Fenster. Die alten wurden in Sondereggers Fall durch neue mit einem U-Wert von 1,1 Watt pro m2 und Grad ersetzt.

Durch die Totalsanierung lassen sich bis zu 60 Prozent Heizenergie sparen.

 

Probelauf für den suissetec CO2-Spiegel

Für eine etwas andere Sanierungsstrategie entschied sich Gregor Saladin. Sein Einfamilienhaus in Buchrain steht in einem Wohnquartier nahe der Reuss und ist vor 24 Jahren erstellt worden. Die Bausubstanz weist noch eine gute Qualität auf. Mängel oder Komforteinbussen sind bisher keine aufgetreten. Einzig die Ölheizung ist offensichtlich in die Jahre gekommen: Die letzte Abgaskontrolle hat gezeigt, das die in den letzten Jahren kontinuierlich gesenkten Grenzwerte nicht mehr eingehalten werden können. Fünf Jahre werden dem Hauseigentümer für die Heizungssanierung noch zugestanden. Doch so lange aufschieben will er es nicht: Gregor Saladin hat seinen Heizungsplaner Markus Portmann unverzüglich um Rat bezüglich einer umfassenden Sanierung - der Heizung und des Gebäudes - gefragt. Portmanns Antwort wurde zum Probelauf für den „suissetec CO2-Spiegel": Aufgrund der Grobanalyse, die sich auf den aktuellen Energieverbrauch und auf die bestehende Gebäudesubstanz abstützt, besteht tatsächlich ein Energiesparpotenzial. Der Heizölverbrauch lässt sich über 900 Liter senken, wenn Gebäude und Heizung saniert respektive ersetzt werden. Vor allem Letzteres rechnet sich: Der Ersatz der über 20 Jahre alten Heizung spart einen Viertel des jährlichen Energieverbrauchs. Denn unabhängig davon, für welchen Energieträger sich Gregor Saladin entscheidet: eine moderne Heizung kommt mit einer deutlich tieferen Leistung aus. Daher will sich Hausbesitzer Saladin auf den Heizungsersatz konzentrieren. Er profitiert nun auch davon, dass er in den letzten Jahren nicht untätig geblieben ist. Die Fenster hat er bereits einmal ersetzt und auch die Fussbodenheizung liess er optimieren. So sorgen die neuen Granitböden für eine bessere Wärmeübertragung als die vollflächig verlegten Teppiche.

Doch es gibt noch mehr zu tun: Der CO2-Spiegel hat auch berechnet, dass das energiebewusste Verhalten der Bewohner weitere 1000 Kilowattstunden Energie sparen hilft - was rund 100 Liter Heizöl pro Jahr entspricht. Dazu gehören zum Beispiel das Anpassen der Raumtemperaturen sowie ein kurzzeitiges Lüften.

 

Erneuerbare Energie einsetzen

Gregor Saladin wird nicht nur Energie sparen. Da er sich vom Heizöl verabschieden möchte,  besteht ebenso die Chance, künftig weniger Geld fürs Heizen ausgeben zu müssen. Die Energiepreise bei Wärmepumpen oder bei Holzfeuerungen liegen inzwischen auf demselben Niveau wie bei einer Ölheizung respektive sind sogar tiefer. Beim Einbau einer Solaranlage besteht Anspruch auf eine Abgeltung durch den Kanton Luzern. Denn erneuerbare Energieträger und energetisch optimierte Sanierungen von Wohnhäusern werden von Gemeinden und Kantonen fast durchwegs gefördert.

 

Von Fördergeldern profitieren

Von Fördergeldern hat auch die Meilener Hausbesitzerin Sonderegger profitiert. Sie bekam für ihre Rundum-Sanierung rund 10 000 Franken Zuschuss vom Gebäudeprogramm der Stiftung Klimarappen. Die Stiftung - eine private Initiative der Wirtschaft - hat zum Ziel, den CO2-Ausstoss bis ins Jahr 2012 um insgesamt neun Millionen Tonnen zu reduzieren. Das Geld dafür kommt aus den 1,5 Rappen Abgabe pro importiertem Liter Diesel und Benzin. „Natürlich decken diese Zuschüsse nicht die ganzen Kosten für eine Wärmedämmung", sagt Sonderegger. „Die Mehrkosten für die energetisch optimierte Version haben sie in meinem Fall aber gedeckt."